Künstliche Intelligenz und Geschichtsunterricht: Einsatz und Reflexion
Grundinformationen
Schulform
Allgemeine Schulformen außer Grundschulen
Bereich / Teilbereich
Standard - und kompetenzor. UE in den Fächern / Geschichte
Inhalt
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein mächtiges Werkzeug und wird auch im schulischen Alltag zunehmend sichtbar - in Form von Chatbots, Bildgeneratoren, automatisierter Textkorpus-Analyse und Feedback-Tools. Sie eröffnet auch für den Geschichtsunterricht neue Möglichkeiten: Vom Scaffolding im Umgang mit komplexen Quellen und Darstellungstexten über das Generieren eigener Darstellungen und Visualisierungen bis hin zur kritischen Reflexion algorithmisch produzierter Narrative und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen. In der ausgeschriebenen Fortbildung werden Potenziale und Grenzen von KI im Fach Geschichte beleuchtet, praxisnahe Unterrichtsbeispiele für die Sekundarstufe I und II erprobt und Lehrkräfte auf fachdidaktischer Ebene befähigt, KI-gestützte Lernarrangements zu entwickeln, sinnvoll einzusetzen und zu reflektieren.
Fortbildungsinhalte:
Technologische Entwicklungen wie Large Language Models oder KI-basierte Bild- und Datenverarbeitung verändern unsere Lebenswelt ebenso wie die Arbeitswelt. Für Jugendliche bedeutet dies, dass KI nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Phänomen ihrer Alltagskultur relevant wird.
Für das Fach Geschichte ergeben sich daraus zwei zentrale Perspektiven:
Didaktisch-methodisch: KI kann dabei helfen, Quellen zu erschließen, Texte zu analysieren, eigene Materialien zu generieren oder verschiedene Geschichtsdeutungen zu vergleichen.
Fachdidaktisch-reflexiv: KI selbst wird zum Reflexionsgegenstand, etwa in Fragen der Quellenkritik (Wer hat den Text „verfasst“? Wie überprüfe ich die Echtheit eines Textes?), der Historizität (wie verändert KI den Umgang mit Vergangenheit?) und der Werteorientierung (Bias, Manipulation, Verantwortung).
Gerade im Umgang mit Deep Fakes – ob Bild, Ton oder Video – wächst die Bedeutung eines medienkompetenten und reflektierten Umgangs mit (digitalen) Quellen. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, zwischen authentischen und gefälschten Darstellungen zu unterscheiden und Manipulationsstrategien im digitalen Raum kritisch zu hinterfragen. Die Fortbildung verknüpft daher praktische Übungen mit einer kritischen Reflexion und bietet Raum für eigene Unterrichtsideen.
Inhaltliche Schwerpunkte:
- Einführung in das Thema: Was ist KI? Welche Formen von KI sind für den Geschichtsunterricht relevant und datenschutzkonform?
- Praktische Erprobung: Quellenanalyse, Textproduktion und Bildgenerierung mit KI-Scaffolding – Chancen und Stolperfallen.
- Deep Fakes im Geschichtsunterricht: Wie gehe ich mit manipulierten Bildern, Videos und Texten um? Methoden zur kritischen Prüfung und Reflexion.
- Unterrichtsplanung: Entwicklung eigener Aufgabenapparate und Unterrichtsszenarien zum Einsatz von KI im Fach Geschichte.
Bezüge zum Lehrplan Geschichte Sek I / Sek II NRW:
Sekundarstufe I (Gymnasium):
Kompetenzbereich Sach- und Urteilskompetenz: „historische Quellen erschließen, analysieren und kritisch bewerten“ (u.a. Jahrgangsstufen 7–9).
Kompetenzbereich Methodenkompetenz: „digitale Werkzeuge zur Recherche und Präsentation nutzen“ – hier konkret erweitert um KI-gestützte Recherche und Quellenkritik.
Verschiedene Inhaltsfelder (z. B. IF 5 „gesellschaftliche, wirtschaftliche, ökologische, technologische und kulturelle Herausforderungen und Konsequenzen [der Industrialisierung], [die] bis heute Bestand haben. “) können durch KI-gestützte Materialgenerierung multiperspektivisch angereichert und um die Reflexion des Phänomens KI erweitert werden.
Sekundarstufe II (Gymnasiale Oberstufe):
Übergreifende Kompetenz: historische Methodenkompetenz und Quellenkritik
Thema „Geschichtskultur und Erinnerungskultur“: Reflexion über den Einfluss von KI auf kollektive Erinnerung, öffentliche Debatten und Geschichtsbilder.
Thema „Herausforderungen und Grenzen der Geschichtswissenschaft“: KI als Chance und Risiko für historische Forschung, Authentizität und Deutung.
Bezüge zum Referenzrahmen Schulqualität:
• Dimension 2.2 („Kompetenzorientierung“, insbesondere 2.2.1)
• Dimension 2.5 („Kognitive Aktivierung“)
• Dimension 3.1 („Werte- und Normenreflexion“, insbesondere 3.1.1)
Bezüge zum Medienkompetenzrahmen NRW:
Bedienen und Anwenden
• Nutzung von KI-gestützten Tools (z. B. Chatbots, Bildgeneratoren, Analyse-Software) im Geschichtsunterricht.
• Praktisches Erproben von KI für Recherche, Materialerstellung und Präsentation.
Informieren und Recherchieren
• KI als Werkzeug zur Analyse historischer Quellen.
• Vergleich von Rechercheergebnissen mit klassischen Methoden (Quellenkritik).
Produzieren und Präsentieren
• Eigene Unterrichtsmaterialien (Texte, Visualisierungen, Erklärvideos) mithilfe von KI erstellen.
• Reflexion über Gestaltung und Wirkung der Produkte.
Analysieren und Reflektieren
• Kritische Auseinandersetzung mit Deep Fakes, Bias und algorithmisch erzeugten Narrativen.
Problemlösen und Modellieren
• Entwicklung von Unterrichtsszenarien, die KI bewusst als Hilfsmittel einsetzen.
• Transfer auf gesellschaftliche Fragen: Wie verändert KI die historische Forschung?
Rahmenbedingungen:
Das Fortbildungsangebot berücksichtigt die in den Lerngruppen gegebene Vielfalt in ihrer Mehrdimensionalität von genderspezifischen, kulturellen und sprachlichen Aspekten bis hin zu Diversitätsmerkmalen wie u.a. behinderungsspezifischen Bedürfnissen (Umsetzung des Artikel 24 der VN-Behindertenrechtskonvention).
Es handelt sich um eine schulexterne Lehrkräftefortbildung.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eventuell anfallende Reisekosten sowie Kosten für Kinderbetreuung sind über den Fortbildungsetat der entsendenden Schule abzurechnen. Bei halbtägigen Veranstaltungen werden die Schulleitungen gebeten, in der Stundenplanung eine angemessene Mittagspause für die Teilnehmenden zu berücksichtigen.
Anmeldungen von schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten behinderten Menschen im Sinne des § 2 (3) SGB IX werden gemäß § 164 (4) SGB IX und Punkt 13 der Richtlinie zur Durchführung der Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (SGB IX) im öffentlichen Dienst im Lande Nordrhein-Westfalen bevorzugt berücksichtigt.
Bei einer Überschreitung der maximalen Teilnehmendenzahl kann eine Auswahl der Teilnehmenden notwendig werden. Dazu halten wir Rücksprache mit den beteiligten Personalräten. Bei Mehrfachanmeldungen von einer Schule ist eine Priorisierung durch die Schulleitung anzugeben. Ohne Priorisierung kann bei Überschreiten der maximalen Anmeldezahl niemand von dieser Schule teilnehmen.
Bitte bringen Sie ein digitales Endgerät (Tablet) mit.
Sollte Ihnen dies nicht möglich sein, melden Sie sich bitte im Vorfeld bei der zuständigen Fachberatung zur besseren Planung der Veranstaltung.
Bei Fragen melden Sie sich gerne bei der zuständigen Fachberaterin als regionale Ansprechpartnerin im Regionalteam für Lehrkräftefortbildung Süd Ost der Bezirksregierung Detmold:
Julia Wulf
05231-71-4664 (Mo, Do, Frei)
mailto: Julia.wulf@bezreg-detmold.nrw.de
Dezernat 46: Lehrerfortbildung und -weiterbildung
Leopoldstraße 15, 32756 Detmold
Zielgruppe und Voraussetzungen
Die schulexterne Fortbildung richtet sich an Lehrkräfte mit einer Ausbildung und Unterrichtserfahrung im Fach Geschichte (gerne auch zusätzlich: Deutsch, Politik, Philosophie, Pädagogik oder Informatik) weitere Voraussetzungen: - Technische Vorerfahrungen mit KI sind wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig - Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung mit Potenzialen und Risiken von KI - Offenheit für die Erprobung eigener Unterrichtsideen und kollegialen Austausch - Mitbringen dienstlicher digitaler Endgeräte (Tablets oder Notebooks)