Qualifizierung der Lehrkräfte für mehrsprachige Unterrichts- und Schulentwicklung in der Migrationsgesellschaft
Grundinformationen
Schulform
Alle Schulformen (Allgemeine und BK)
Bereich / Teilbereich
Standard - und kompetenzor. UE in den Fächern / DaZ (Deutsch als Zielsprache)
Inhalt
Ziele
Mit dem Besuch der Qualifizierungsmaßnahme werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterstützt, mit ihren erworbenen Kompetenzen im Arbeitsfeld Schule wirksam zu werden. Sie erweitern ihre Kompetenzen in Bezug darauf:
1. Das eigene Handeln mit Blick auf die Mehrsprachigkeit und der damit verbundenen Migrationspolitik zu reflektieren.
2. Die Unterrichtsvorhaben zunehmend sprachsensibel und mehrsprachig zu entwickeln.
3. Sich im Rahmen eines abgestimmten Handelns in eine mehrsprachige Unterrichts- und Schulentwicklung konstruktiv einzubringen.
Inhalt
Modul 1: Migrationspädagogik und Reflexion eigener Haltungen sowie der Handlungspraktiken von Schule
Schwerpunkte:
1. Mehrsprachigkeit als Lernausgangslage und Bildungsziel in NRW
2. Migration und Mehrsprachigkeit als Realität und Normalität
3. Sprachenpolitik in NRW (rechtliche Grundlagen, Erlasse etc.)
4. Grundlagenwissen zum Spracherwerb
5. Mehrsprachigkeit als Ressource erkennen, wahrnehmen und nutzen
6. Sprache und Identität
7. Sprache und Migration
8. Monolingualer Habitus und Linguizismus im Bildungssystem
9. Sprachgebote und -verbote
10. Hierarchisierung und Benachteiligung
11. Diskriminierungskritische Theorien
12. Linguizismuskritik
13. Rassismuskritik
14. Intersektionalität
15. Sprache und Empowerment
16. Vorurteilskritischer Umgang mit der Sprachheterogenität
Distanzphase 1
Mehrsprachigkeit in Schule: Reflexion eigener Haltungen sowie Handlungspraktiken
Die Teilnehmenden stellen ggf. vorhandene Herausforderungen im Umgang mit dem Thema Haltung fest und entwickeln ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Arbeit an der eigenen Haltung als Lehrkraft. Ein Selbstbeobachtungsbogen wird zur Verfügung gestellt.
Modul 2: Mehrsprachigkeit sichtbar machen und gesamtsprachliche Repertoires einbinden
Schwerpunkte:
1. Portfolio-Arbeit als Instrument der Sprachreflexion
2. (schulstufenspezifische) mehrsprachigkeitsdidaktische Unterrichtsansätze als Grundlage einer Unterrichts- und Schulentwicklung
3. Language Learning und Translanguaging
4. Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU) in NRW – Chance und Herausforderung für eine gemeinsame mehrsprachige Schulentwicklung (Hinterlegungswissen)
5. Sprachstanderfassung in den Herkunftssprachen der Schülerinnen und Schüler
6. Mehrsprachigkeit/Interkulturalität als Bereicherung für das schulische Miteinander
7. Grundlagen der Mehrsprachigkeitsdidaktik
Distanzphase 2
Die Teilnehmenden sollen in einer Unterrichtsstunde mit ihren Schülerinnen und Schülern Sprachbiographien erarbeiten und ihre Erfahrungen mit dieser Methode dokumentieren.
Modul 3: Didaktik der Mehrsprachigkeit
Schwerpunkte:
1. Erweiterung des didaktisch-methodischen Unterrichtsrepertoires, um Mehrsprachigkeit analog und digital sichtbar und hörbar zu machen
2. Bisher einsprachig genutzte analoge und digitale Lerntools für Mehrsprachigkeit öffnen sowie KI, mehrsprachige Quellen und ein- und mehrsprachige Lerntools nutzen:
o koordiniertes Lernen im SU (Angebote wie Multidingsda, Mulingula, WeltABC, LeOn, ...)
o Sek I: trilinguale (Sach-)Fachlernen (Angebote wie Binogi u.ä.)
3. Sensibilisierung und Motivierung Mehrsprachigkeit als Ressource für eine durchgängige Sprachbildung und eine wertschätzende Erziehungs- und Bildungspartnerschaft wahrzunehmen.
Distanzphase 3
Sichtung ausgewählter Materialien und Tools für die Schulpraxis sowie Entwicklung konkreter Einsatzideen im eigenen Unterricht
Modul 4: Mehrsprachigkeitsförderliche Unterrichtsplanung
Schwerpunkte
1. Austausch und Reflexion in Hinblick auf in der Distanzphase
gesichtete Materialien und Tools
2. Mehrsprachige Leseförderung (bilingual/multilingual)
3. Entwicklung konkreter Unterrichts- und Schulentwicklungsprojekte
Distanzphase 4
Umsetzung und Dokumentation eines (an Tag 4 erarbeiteten) mehrsprachigkeitsdidaktisch-orientierten Vorhabens im eigenen Unterricht bzw. an der eigenen Schule, erstellen einer Kurz-Präsentation
Modul 5: Mehrsprachigkeitsbewusste Schulentwicklung I:
Auswertung und Reflexion der Praxisphasen
Schwerpunkte:
1. Identifizierung von Gelingensbedingungen / -indikatoren zur Analyse erprobter Praxisbeispiele (tragfähige Voraussetzungen)
2. Anamnese von Entwicklungshemmnissen (Widerstände und Hausforderungen)
3. Herausarbeiten von Entwicklungsmöglichkeiten und –bedarfen
Modul 6: Mehrsprachigkeitsbewusste Schulentwicklung II: Professionalisierung in systemischer Prozessbegleitung zur Implementation von Unterrichtsvorhaben in der eigenen Schule (RRSQ)
Schwerpunkte:
1. SWOT - Analyse der Bestandsaufnahme und Zielplanung
2. Mehrsprachigkeit als Bildungsziel in NRW
3. Verankerung von Mehrsprachigkeit als Unterrichtsprinzip
4. Verankerung in Leitbild, Schulprogramm und Lehrplänen
5. Entwicklung einer mehrsprachigkeitsbewussten und -fördernden Lehrkräftepersönlichkeit
Eine Rückkopplungsveranstaltung findet im darauffolgenden Schulhalbjahr als synchrone Digitalveranstaltung von 09:00 – 16:00 Uhr statt.
Zur systematischen Verankerung von Fortbildungserkenntnissen im Kollegium ist die Anmeldung von zwei oder mehreren Lehrkräften einer Schule möglich und begrüßenswert.
Bitte bringen Sie möglichst ein eigenes digitales dienstliches Endgerät zur Veranstaltung mit.
Folgende Bezüge zum Referenzrahmen Schulqualität werden schwerpunktmäßig berücksichtig:
2. Lehren und Lernen
2.4 Schülerorientierung und Umgang mit Heterogenität
2.6 Lern- und Bildungsangebot
2.9 Bildungssprache und spachsensibler (Fach-)Unterricht
2.10 Lernen und Lehren im digitalen Wandel
3.2 Kultur des Umgangs miteinander
4.3 (Multi)Professionelle Teams
Bezug zum Medienkompetenzrahmen:
1.2 Verschiedene digitale Werkzeuge und deren Funktionsumfang kennen, auswählen sowie diese kreativ, reflektiert und zielgerichtet einsetzen
4.1 Medienprodukte adressatengerecht planen, gestalten und präsentieren; Möglichkeiten des Veröffentlichens und Teilens kennen und nutzen
Gestaltung und Durchführung:
Die Qualifizierungsmaßnahme wird an fünf Ganztägern in Präsenz durchgeführt. Zwischen den Präsenzveranstaltungen vertiefen die Teilnehmenden das Gelernte im Rahmen von vier halbtägigen Selbstlernphasen in Distanz. Die Veranstaltungsmodule bauen inhaltlich aufeinander auf. Eine einmalige, verbindliche Anmeldung umfasst die Teilnahme an allen fünf Fortbildungstagen.
Aspekte der Heterogenität und des Gemeinsamen Lernens werden in dieser Fortbildung berücksichtigt.
Sofern mehr Anmeldungen vorliegen, als Plätze vorhanden sind, erfolgt die Teilnehmendenauswahl nach einem mit den Personalräten vereinbarten Auswahlverfahren. Personen mit Schwerbehinderung werden bei der Anmeldung bevorzugt berücksichtigt. In der Regel sind unsere Veranstaltungen barrierefrei. Bitte geben Sie dennoch in der Anmeldung Ihren spezifischen Unterstützungsbedarf an, damit Ihre Teilhabe bestmöglich gesichert werden kann.
Bei Anfragen wenden Sie sich bitte an das Regionalteam Fortbildung
Telefon: 0211 475-4646
E-Mail: rtf@brd.nrw.de
oder direkt an die zuständige Fachberatung
Nicole Zanders, nicole.zanders@brd.nrw.de
0211 475-4157
Zielgruppe und Voraussetzungen
Lehrkräfte und Fachkräfte im Multiprofessionellen Team im Gemeinsamen Lernen an Grundschulen, weiterführenden Schulen und Förderschulen