Zertifikatskurs Islamischer Religionsunterricht Primarstufe - Qualifikationserweiterung (landesweit)
Grundinformationen
Schulform
Alle Schulformen der Primarstufe
Bereich / Teilbereich
Qualifikationserweiterungen/Zertifikatskurse / Islamischer Religionsunterricht
Inhalt
Ziel
Ziel dieser Qualifikationserweiterung mit dem Gesamtvolumen von 160 Fortbildungsstunden ist es, Lehrkräften, die das Fach "Islamischer Religionsunterricht" (IRU) in der Primarstufe unterrichten wollen, didaktische, methodische und rechtliche Hilfen für ihre unterrichtliche Praxis zu geben.Der Islamische Religionsunterricht vermittelt die Begegnung und Auseinandersetzung mit Schlüsselfragen des individuellen und gesellschaftlichen Lebens, reflektiert Grundsätze, Ziele und Folgen des Handelns und setzt sich mit den Sinn- und Wertfragen menschlicher Existenz vor dem Hintergrund islamischen Glaubens und islamischer Tradition auseinander. Dieser Unterricht ist bekenntnisorientiert und in positiver Grundhaltung zu erteilen. Sein Ziel ist ein reflektiertes Verhältnis zu sich selbst und den anderen aufzubauen, die Wirklichkeit in ihren vielfältigen Dimensionen differenziert wahrzunehmen und zu beurteilen sowie in einer pluralen, multireligiösen Gesellschaft eigene begründete Wertmaßstäbe zu entwickeln, die eine sinnbezogene Lebensführung und verantwortliches Handeln ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler sollen den Islam in seiner Vielfalt kennenlernen. Zu den Inhalten und Zielen gehören weiterhin die Vermittlung von unterschiedlichen Kenntnissen und Kompetenzen, sowie Werten und Glaubensinhalten ebenso wie die Hinführung zu eigenverantwortlichem Handeln und Selbstreflexion sowie die geschichtliche Einbeziehung und Entwicklung normativer Grundsätze des Islam.
Inhalte
Die Inhalte der Fortbildung umfassen folgende Bereiche der islamischen Wissenschaften (Theologie):- Lehrplan Islamischer Religionsunterricht
- Islamische Religionspädagogik, Didaktik und Methodik des Unterrichts
- Planung, Durchführung und Reflexion von Unterrichtsvorhaben
- Grundkenntnisse im Bereich der islamischen Glaubenslehre (Aqida)
- Grundkenntnisse im Bereich des Koran und der Koranexegese (Tafsir und Usul at-Tafsir)
- Grundkenntnisse im Bereich der Sunna und des Hadith
- Grundkenntnisse im Bereich Islamisches Recht und Methodik der Jurisprudenz (figh und usul al-figh)
- Grundkenntnisse im Bereich der Siyra und islamischen Geschichte (Prophetenbiografie)
- Grundkenntnisse im Bereich der islamischen Kunst und Kultur
- Grundkenntnisse im Bereich der islamischen Ethik
In dieser Fortbildung werden Aspekte der Heterogenität und des Gemeinsamen Lernens vermittelt.
Folgende Bezüge zum Referenzrahmen Schulqualität werden berücksichtigt:
2.1 – Ergebnis- und Standardorientierung
2.2 – Kompetenzorientierung
Kurzinformationen zu den Inhalten des Zertifikatskurses
Lehrplan Islamischer Religionsunterricht für die Primarstufe
- Die Grundlagen, die Entwicklungsgeschichte, der jetzige Stand und die Organisationsformen des IRU werden genauer betrachtet. Das Fach wird im Vergleich zu anderen Fächern (z. B. zum früheren Fach Islamkunde, zu anderen Religionslehren) vorgestellt.
- LP-Primarstufe IRU: Vertraut gemacht wird mit dem Konstrukt, mit Begriffen und anderem.
- Ein Anliegen des Zertifikatskurses besteht darin, in Vernetzung mit den unten aufgeführten inhaltlichen Modulen, eine methodische Einführung in die standardorientierte und kompetenzorientierte Vorbereitung des Unterrichts auf der Grundlage des Lehrplans zu geben.
(Islamische) Religionspädagogik, Didaktik und Methodik des Unterrichts
Dieser Bereich beschäftigt sich mit den Grundlagen der (islamischen) Religionspädagogik. Unter Berücksichtigung von Ergebnissen muslimischer Gelehrter zu den Bereichen Erziehung und Pädagogik aus Tradition und Moderne werden pädagogische Ansätze und Zielsetzungen von(islamischer) Religionspädagogik dargestellt und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nähergebracht. Das didaktische Prinzip der Korrelation findet stets Berücksichtigung.
Die Vorgaben des Lehrplans sind verbindlich und im Unterricht konkret umzusetzen. Im Kontext der Planung, Durchführung und Reflexion von Unterrichtsvorhaben werden religionspädagogische Aspekte sowie Didaktik und Methodik mit den unten aufgeführten inhaltlichen Modulen vernetzt. Außerdem wird dabei auf praktische Handlungsmöglichkeiten eingegangen, indem sowohl der Einsatz von digitalen bzw. interaktiven Medien als auch die Erstellung von interaktiven Lernapps im IRU konkretisiert werden. Zudem werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Rahmen in punkto Materialentwicklung mit gesonderten Kompetenzen gestärkt, mit denen sie gute Ideen ineffektive und anschauliche Unterrichtsmaterialien für den IRU verwandeln können.
Planung, Durchführung und Reflexion von Unterrichtsvorhaben
Die Beschäftigung mit der Frage nach der praktischen Umsetzung curricularer Vorgaben ist ein wesentlicher Bestandteil des Zertifikatskurses. Dazu werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern exemplarische Materialien zur Verfügung gestellt. Daher wird eine Unterrichtsumsetzung an einemgeeigneten Standort geplant und durchgeführt. Die Abläufe und Materialien werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst vorbereitet oder ausgewählt.
Exkursionen und Kursgänge
Exemplarisch für den Besuch außerschulischer Lernorte sind im Laufe des Zertifikatskurses je nach Möglichkeit einzelne Kursgänge/Exkursionen vorgesehen (z. B. Synagogenbesuch, Kirchenbesuch).
Interreligiöses
Im Rahmen der praxis- und lebensnahen Umsetzung curricularer Vorgaben werden Themen auch unter Berücksichtigung interreligiöser Aspekte aufgegriffen, insbesondere in Bezug auf Judentum und Christentum. Sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede werden auf der Basis von(religiösen) Grundlagentexten und religiösen Traditionen herausgearbeitet, und in diesem Zusammenhang wird der angemessene pädagogisch-didaktische Umgang damit thematisiert.
Module des Zertifikatskurses
Modul 1: Grundkenntnisse im Bereich der islamischen Glaubenslehre (Aqida)
Die islamische Glaubenslehre bildet das Fundament islamischen Glaubens und prägt die Glaubenswelt der Musliminnen und Muslime, die auf Koran und Ahadith basiert. Hierbei werden die Fragen der Kinder (wie z.B. Wie stelle ich mir Gott vor?) in den Fokus gelegt.
Modul 2: Grundkenntnisse im Bereich des Koran und der Koranexegese (Tafsir und Usul at-Tafsir)
Als Hauptquelle des islamischen Glaubens sowie der islamischen Tradition und Kultur stellt der Koran(mit seiner Entstehung und Auslegung) einen der wesentlichen Themengegenstände des Zertifikatskurses dar. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten, orientiert an der islamischen Tradition und der Islamwissenschaft, einen Überblick über die Art der Offenbarung, die Entstehung und den Aufbau des Korans sowie erste Ansätze der Koranexegese insbesondere aus der Perspektive von Kindern.
Modul 3: Grundkenntnisse im Bereich der Sunna und des Hadith
Als zweite Quelle des Islam spielen die Überlieferungen des Propheten Muhammad, seiner Gefährten und Familienangehörigen eine wesentliche Rolle. Alles, was der Prophet sagte, tat und festschrieb, wurde von den ersten Adressaten zuerst mündlich und dann schriftlich weitergegeben, so dass berühmte Hadith-Werke, wie Sahih Buhari, Sahih Muslim oder al-Kafi, grundlegende Bücher desislamischen Wissens sind. In diesem Modul wird die Entstehung der Sunna und der einzelnen Hadithe ebenso besprochen wie auch deren Bedeutung für den Glauben und die Glaubenspraxis. Darüber hinaus werden exemplarisch Hadith-Texte kritisch untersucht und der Versuch einer(Neu-)Interpretation u.a. vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen vorgenommen. Der Einsatz von Hadithen im Unterricht wird facettenreich und mit verschiedenen Materialien und Methoden behandelt und die konkrete Umsetzung im eigenen Unterricht in der Primarstufe geplant.
Modul 4: Grundkenntnisse im Bereich Islamisches Recht und Methodik der Jurisprudenz (figh und usul al-figh)
Das islamische Recht (Fiqh) ist für die Glaubenspraxis von Musliminnen und Muslimen von großer Bedeutung und umfasst Themen des privaten und gesellschaftlichen Lebens. Hiermit kommen bereits Kinder im Primarstufenalter etwa durch Erfahrung in ihrer Lebenswirklichkeit in Berührung. Im Kontext des islamischen Religionsunterrichts sind hier besonders Themen wie das Ritualgebet(Salat / Namaz), das Fasten, die Ritualwaschungen (Wudu / Abdest), die Pilgerfahrt (Hadsch) oder die Pflichtabgabe (Zakat) hervorzuheben.
Modul 5: Grundkenntnisse im Bereich der Siyra und islamischen Geschichte (Prophetenbiografie)
Die Prophetenbiografie ist wichtig, um Zusammenhänge rund um das Leben des Propheten Muhammad genau kennenzulernen und einzuordnen. Episoden aus dem Leben des Propheten bilden innerhalb der islamischen Geschichte einen Kernbestandteil der islamischen Bildung. Erzählungen und Geschichten von Begebenheiten aus dem Leben des Propheten, seiner Familie und seiner Gefährten sowie die Prophetengeschichten finden auch im IRU der Primarstufe ihren Platz. Im Zertifikatskurs wird anhand entsprechender Materialien und Methoden ein adäquater und altersgemäßer Umgang damit in der Primarstufe zum Thema gemacht.
Modul 6: Grundkenntnisse im Bereich der islamischen Kunst und Kultur
Die islamische Kunst und Kultur mit ihren reichen und vielseitigen ästhetischen Ausdrucksformenbildet eine weitere Grundlage, um sich mit der Spiritualität des Islam zu befassen. Kalligraphie, Ornamentik und musikalische Ausdrucksformen, wie Koranrezitation und islamische (Kinder-)Lieder(auch sog. naschid / ilahi / ibtihal / tawaschih) eignen sich für den handlungsorientierten unterrichtlichen Einsatz und finden daher exemplarisch im Zertifikatskurs Berücksichtigung.
Modul 7: Grundkenntnisse im Bereich der islamischen Ethik
Die islamische Ethik betrifft die Reflexion, Handlungsanweisung und damit auch Persönlichkeitsentwicklung des Menschen. Die besonderen Merkmale der islamischen Ethik werden im Hinblick auf die Lebenswirklichkeit der Kinder thematisiert. Dabei wird auf Vergleiche zu nicht islamischen Traditionen der Ethik eingegangen. In diesem Kontext werden Dilemmata-Situationen, Konfliktsituationen, Fragen nach persönlichen Entscheidungs- und Handlungsoptionen sowie deren mögliche Folgen aus der Perspektive islamischer Ethik thematisiert.
Hinweise
- Es können nur Anmeldungen von Lehrkräften angenommen werden, die sich in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis mit dem Land NRW befinden und über eine Lehrbefähigung für ein Lehramt der entsprechenden Schulstufe verfügen.
- Der Kurs findet für ein Schulhalbjahr wöchentlich jeweils mittwochs von 9 - 16 Uhr an einer Schule der Bezirksregierung Düsseldorf sowie in dezentralen Lerngemeinschaften statt. Die Gesamtkursdauer beträgt 160 Stunden.
- Für die Dauer der Teilnahme am Zertifikatskurs wird Lehrkräften der Schulformen Grund-, Primus- und Förderschule eine wöchentliche Unterrichtsentlastung im Umfang von fünf Stunden gewährt. Diese Entlastung wird für die Schule nicht bedarfserhöhend wirksam. Die Anrechnung auf die Unterrichtsverpflichtung ist so zu regeln, dass am Fortbildungstag die Unterrichtsverpflichtung entfällt.
- Bewerberinnen / Bewerber eines Zertifikatskurses müssen sich mit der vorbehaltlichen Einladung zum Zertifikatskurs bei der Kommission für den Islamischen Religionsunterricht (info@iru-kommission-nrw.de) vorstellen. Bei Eignung der Kandidatin / des Kandidaten stellt die Kommission ihnen eine Bescheinigung aus, die zeitnah bei der Schulleitung und dem Dezernat 46 der Bezirksregierung Düsseldorf vor Beginn des Zertifikatskurses vorzulegen ist.
Weitergehende Informationen der Kommission für den Islamischen Religionsunterricht finden Sie hier. - Eine regelmäßige Teilnahme (mindestens 80% der Gesamtkurszeit) und eine qualifizierte Mitarbeit werden vorausgesetzt.
- Die Federführung für die Durchführung des landesweiten Kurses liegt in den Händen der Bezirksregierung Düsseldorf. Die Anmeldung erfolgt bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Über die Zulassung entscheidet die für Sie zuständige Bezirksregierung. Diese erteilt die Dienstreisegenehmigung und übernimmt die Reisekosten gemäß TEVO.
- Sofern mehr Anmeldungen vorliegen als Plätze vorhanden sind, erfolgt die Teilnehmendenauswahl nach einem mit den Personalräten vereinbarten Auswahlverfahren.
Bewerberinnen und Bewerber, die sich bei der Einstellung zur Teilnahme am Kurs verpflichtet haben, werden bevorzugt zugelassen.
Schwerbehinderte Lehrkräfte werden bevorzugt berücksichtigt. In der Regel sind unsere Veranstaltungen barrierefrei. Bitte geben Sie dennoch bei der Anmeldung Ihren spezifischen Unterstützungsbedarf an, damit Ihre Teilhabe bestmöglich gesichert werden kann.
Zielgruppe und Voraussetzungen
Adressaten sind Lehrkräfte muslimischen Glaubens, die sich in einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis des Landes NRW befinden, im Besitz einer in Nordrhein-Westfalen gültigen Lehramtsbefähigung (Erste und Zweite Staatsprüfung oder Master of Education und Staatsprüfung) für die Primarstufe sind und in ihrer Schule zukünftig Islamischen Religionsunterricht erteilen werden, ohne hierfür bereits über eine Qualifikation zu verfügen. Sie erhalten nach erfolgreicher Teilnahme ein Zertifikat und in Verbindung mit der religiösen Bevollmächtigung (Idschaza) die Befugnis, dauerhaft Unterricht im Fach zu erteilen. Sie erwerben keine weitere Lehrbefähigung. Lehrkräfte von Ersatzschulen ohne Lehramtsbefähigung mit erfolgreichem Feststellungsverfahren (nach § 7 ESchVO) erhalten eine Teilnahmebescheinigung, jedoch damit keine Unterrichtserlaubnis für öffentliche Schulen. Erlass vom 30. November 2011 (226-2.02.02.02/102-93736/10)
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Derzeit sind keine Anmeldungen als schulexterne Lehrkräftefortbildung möglich. Neue Termine werden ausschließlich online veröffentlicht.