Schulinterne Fortbildung: Ausbildungslehrkraft sein: Kompetenzerweiterungen für die Begleitenden der Lehramtsanwärterinnen und – anwärter
Grundinformationen
Schulform
Berufskollegs
Bereich / Teilbereich
Fachbereichsübergreifende Fortbildungen / Unterrichtsentwicklung am Berufskolleg
Inhalt
Ausbildungslehrkräfte an den Einsatzschulen haben dienstlich im Regelfall den intensivsten und unmittelbarsten Kontakt mit den Lehramtsanwär¬terinnen und -anwärtern. Dabei sind für die Ausübung dieser dienstlichen Verpflichtung (§9 ADO) jedoch nirgends genauere Konkretisierungen zu finden. In der OVP wird einzig das Erstellen schriftlicher Beurteilungs¬beiträge als Aufgabe benannt (§16). Das Landesinstitut „QUA-LiS NRW“ formuliert in einer möglichen Rollenbeschreibung, dass schulische Ausbildungslehrkräfte „durch ihr persönliches Engagement zu einer kompetenten Ausbildung der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter“ beitragen und „durch ihre Lehrerpersönlichkeit einen Einblick in unterschiedliche Unterrichtsformen“ ermöglichen [QUA-LiS NRW: „Das schulische Ausbildungsprogramm“ (2018), S.21].
Wie die jeweilige Ausbildungslehrkraft diese Rolle ausfüllt, liegt somit im Wesentlichen in eigener Verantwortung. Die individuelle Gestaltung dieser Rolle wird sehr unterschiedlich ausfallen und hängt unter anderem von der eigenen (Ausbildungs-) Biographie, persönlichen Werten im Hinblick auf Ausbildungsprozesse und schulischen Alltag, aber auch von Erwartungshaltungen anderer Beteiligter ab. Erwartungen, die offen oder verdeckt von Referendarinnen oder Referendaren, Ausbildungsbeauftragten oder der Schulleitung vor Ort an eine Ausbildungslehrkraft herangetragen werden, können von eigenen Vorstellungen abweichen. Konflikte können entstehen, die verdeckt schwelen oder auch offen zutage treten.
Fortbildungsdidaktisch werden die schulinternen Fortbildungen sowohl in kurzen mediengestützten Input-Vorträgen, wie auch in arbeitsteiligen Gruppenarbeitsphasen durchgeführt. Erarbeitungs- und Austauschphasen sollen zu konkreten Handlungsprodukten führen, die bis im Zeitraum zwischen der ersten und zweiten Fortbildungsveranstaltung erprobt und verankert werden können.
Überblick
Modul 1: Rollenklarheit als Ausbildungslehrkraft gewinnenModul 2: Gestaltung der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung in Schule anhand des „Kerncurriculums für die Lehrerausbildung im Vorbereitungsdienst“
Modul 3: Angehende Lehrkräfte auf Ihrem Professionalisierungsweg als Ausbildungslehrkraft an meinem Berufskolleg materialgestützt begleiten.
Modul 4: Bei der Unterrichtsplanung und -durchführung beraten
Modul 5: Reflektieren anleiten
Modul 6: Transparent beurteilen und kompetenzorientierte Beurteilungsbeiträge schreiben
Detailbeschreibung:
Modul 1: Rollenklarheit als Ausbildungslehrkraft gewinnen
Schwerpunkt:
Die Fortbildung möchte die Teilnehmenden darin unterstützen, in der Rolle als Ausbildungslehrkraft Sicherheit zu gewinnen, eigene und fremde Vorstellungen effektiv in Einklang zu bringen und für sich selbst wie für die Ausbildungsschule eine wertschätzende und zugleich wirksame Kommunikation weiterzuentwickeln.
Dazu reflektieren die Teilnehmenden eigene und herangetragene Rollenerwartungen, kommen ins Gespräch und tauschen sich über geeignete Reaktionen aus. Die Ausbildungslehrkräfte präzisieren ihre Vorstellungen über die Erwartungen an sich selbst, die Lehramtswärterinnen und -anwärter, Ausbildungsbeauftragten und Schulleitungen und entwerfen Beispiele wertschätzender Kommunikation, insbesondere der Leistungserwartungen und Unterstützungsangebote.
Ziele:
Erstellung einer exemplarischen „Ausbildungsvereinbarung“ oder von Bausteinen eines schulischen Ausbildungskonzepts.
Modul 2: Gestaltung der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung in Schule anhand des „Kerncurriculums für die Lehrerausbildung im Vorbereitungsdienst“
Schwerpunkt:
Im Rahmen der Fortbildung soll die Abstimmung zwischen dem Kerncurriculum im Vorbereitungsdienst und der Ausbildung an Schule aktiv vorangebracht werden.
Hierfür stellen wir vom Seminar BK am ZfsL Gelsenkirchen Ihnen zunächst unsere didaktische, zeitliche und organisatorische Struktur der Ausbildung, basierend auf den Inhalten des Kerncurriculums, vor.
Ausgehend davon erarbeiten Sie in Gruppen, zu welchem Zeitpunkt der Ausbildung an Ihrer Schule die Handlungsfelder des Kerncurriculums und deren Konkretionen für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer von besonderer Bedeutung sein können. Gemeinsam reflektieren Sie, an welcher Stelle sich die im Kerncurriculum beschriebenen Handlungsfelder in Ihrer Schule wiederfinden, wie die angehenden Lehrkräfte an Ihrer Schule die darin beschriebenen Kompetenzen erweitern können und wo Unterstützung stattfinden kann.
Ziele:
- Engere Verzahnung der Ausbildung der angehenden Lehrkräfte zwischen Schule und Seminar BK
- Gemeinsame Ausgestaltung auf Grundlage des Kerncurriculums
- Ggf. je nach Bedarf eine Überarbeitung/Erweiterung des schuleigenen Ausbildungsprogrammes oder die Entwicklung einer möglichen Ausbildungszeitleiste mit Rückbezug auf die Handlungsfelder des Kerncurriculums
Modul 3: Angehende Lehrkräfte auf Ihrem Professionalisierungsweg als Ausbildungslehrkraft an meinem Berufskolleg materialgestützt begleiten.
Schwerpunkt:
In diesem Modul wird konkretes Material für die Begleitung der angehenden Lehrkräfte nach ihren Bedürfnissen erstellt, erprobt, ausgewertet und weiterentwickelt, um diese in Beratungssituationen während des Vorbereitungsdienstes zu nutzen.
Ziele:
- Materialien, wie Beobachtungsbögen für die Begleitung im Ausbildungsunterricht zu erstellen.
- Anpassung der bereits bestehenden Angebote (RRSQ uvm.) für den Einsatz im Vorbereitungsdienst für die Ausbildung in den Fächern oder Bildungsgängen der Ausbildungsschulen
Modul 4: Bei der Unterrichtsplanung und -durchführung beraten
Schwerpunkt:
Der erfahrungsbasierte Austausch unter Ausbildungslehrkräften („Was mache ich, wenn …“) sowie das Vorstellen bestehender Beratungskonzepte des ZfsL und der beteiligten Schule(n) stellen den den zentralen Schwerpunkt dieses Moduls dar.
Dabei spielen die Arbeit in Professionalisierungszyklen sowie eine positive Fehlerkultur (Growth Mindset) eine bedeutende Rolle.
Ein durch Sie erstelltes Beratungskonzept als finalem möglichen Handlungsprodukt soll Sie in Ihrer Arbeit als Ausbildungslehrkraft unterstützen und den Referendarinnen und Referendaren Transparenz und Sicherheit geben, was von ihnen erwartet wird im Hinblick guten Unterricht.
Ziele:
- Sicherheit erlangen in verschiedenen Beratungssettings
- Sicherheit entwickeln durch ein gemeinsames Beratungsverständnis an unserer Schule, z.B. durch die Erstellung eines Beratungskonzeptes
Modul 5: Reflektieren anleiten
Schwerpunkt:
Die Auseinandersetzung mit in der Schule praktizierten und in der Seminararbeit relevanten Reflexionsmodellen, die alltagstauglich für kurze Feedbacks und längere Reflexionssettings im Ausbildungsunterricht sein können.
Theorie
- ALACT- Modell nach Korthagen
- Hamburger Reflexionszyklus
- Beschreiben, Deuten, Ergründen, Schlussfolgern: von Aufschnaiter
alternative Möglichkeiten der Reflexion
o 10-Minuten-Refexion
o Reflektierendes Schreiben
o Reflexion mit ausgewähltem Bild
o Von SuS ausgefüllter Evaluationsbigen
o GROW-Modell
o …
- Ausbildungslehrkräfte entwickeln ein gemeinsames Verständnis von gelungener – dem Ausbildungsstand entsprechender – Reflexion und
- Erstellung eines Reflexionskonzepts zur Unterstützung der Arbeit als Ausbildungslehrkraft und den Referendarinnen und Referendaren Transparenz und Sicherheit geben, was von ihnen erwartet wird im Hinblick guten Unterricht.
- ggf. einen gemeinsamen Leitfaden.
Modul 6: Transparent beurteilen und kompetenzorientierte Beurteilungsbeiträge schreiben
Schwerpunkt:
„Die Ausbildungslehrerinnen und Ausbildungslehrer […] erstellen schriftliche Beurteilungsbeiträge am Maßstab der in der Anlage 1 benannten Standards. Dabei sind sowohl die fachlichen als auch die überfachlichen Kompetenzen auf der Grundlage von in Ausbildungssituationen aller Art gemachten Beobachtungen in ihrer Gesamtheit zu bewerten.“ §16 (2) OVP
Diese Beurteilungen bilden dann eine der Grundlagen für die Langzeitbeurteilung durch die Schulleitung. Zusätzlich zu dieser hohen Bedeutung im Beurteilungszusammenhang sind Beurteilungsbeiträge aber auch wichtiges Feedback über den Entwicklungsstand der Lehramts-anwärter und Lehramtsanwärterinnen.
Ziele:
- Entwicklung eines schulweit abgestimmten, effizienten Modus zur Erstellung von Beurteilungsbeiträgen
- kollegialen Austausch und Abstimmung zu gewährleisten.
- In Form von Impulsvorträgen soll aber auch über die institutionellen Vorgaben informiert werden. Diese bilden die Grundlage für die gemeinsame Reflektion darüber, auf welche Weise Formulierungen einerseits die Vergleichbarkeit von Kompetenzentwicklungen, andererseits aber auch deren Individualität wiedergeben können.
- Diskutiert werden soll weiterhin die Frage, durch welche Beobachtungsinventare die Transparenz der Bewertung sowie die zeiteffiziente Erstellung der Beurteilungsbeiträge unterstützt werden kann.
Bitte beachten:
Das Fortbildungsprogramm richtet sich an Ausbildungslehrkräfte an einer Schule im Einzugsgebiet des Zfsl Gelsenkirchen. Schulkooperationen sind möglich.
Die Module werden als zweitägige schulinterne Veranstaltung angeboten. Die Schulinternen Fortbildungen sollen in einem Zeitraum von drei Monaten durchgeführt werden.
Referenzrahmen Schulqualität
Lehrkräfte verstehen sich als „Evaluierende“ und „Aktivierende“ der unterrichtlichen Lernprozesse (2.2.1., A7)
Lehrkräfte sind bereit und in der Lage, schul- und unterrichtsbezogene Daten zu generieren, zu interpretieren und Handlungsperspektiven zu entwickeln. (4.2.1., A11)
Kerncurriculum für die Lehrerausbildung im Vorbereitungsdienst, 2021
RRSQ 4.1.2., 3.1,3.2, 3.4, 6.1
A1, A2, A3, A4, A8, A9, A10, A12
Allgemeine Hinweise:
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, ein digitales Endgerät (Tablet oder Laptop) mitzubringen. Die Nutzung von dienstlich zur Verfügung gestellten digitalen Endgeräten wird empfohlen.
Gegebenenfalls entstehende Kosten müssen über das jeweilige Schulfortbildungsbudget erstattet werden.
Zielgruppe und Voraussetzungen
Lehrkräfte am Berufskolleg